Immer wieder gehen die Horrorgeschichten von unerträglichen Produktionsbedingungen für Smartphones und anderen Elektronikkram in der Dritten Welt durch die Medien. Doch was tun? Will man nicht (was die Autorin bisher tut) auf die Segnungen der mobilen Datenkommunikation verzichten, weil E-Mail auf dem Bahnhofsklo oder in der Buchhandlung nun mal keine dringende Notwendigkeit ist, blieb bisher nur, zwischen vielen schlechten Alternativen zu wählen. Jettz gibt es endlich eine gute: Fairphone. Das holländische Unternehmen hat mit unendlicher Mühe das heute optimal Mögliche versucht, um ein fair produziertes, rezyklierbares, aufrüstbares, übersichtliches, nicht beim geringsten Windhauch den Geist aufgebendes Smartphone zu bauen. Und dieses kommt jetzt auf den Markt. Man kann es sogar vorbestellen. Man muss das auch, wenn man eins will, denn das Mini-Unternehmen hat natürlich kein weltweites Vertriebsnetz wie zum Beispiel Apple. Und ich verspreche, wenn ich jemals ein Smartphone kaufe, dann nur das. Denn die Welt braucht Alternativen. Gucken? Dann klicken!
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Green grid: Fundgrube für interessante Papers
@ 03. Mai 2013 – 14:43:56
Immer wieder eine Fundgrube für praxisrelevante green-IT-Informationen ist die Website von The Green Grid. Eine Pressemeldung der Organisation weist explizit auf folgende Veröffentlichungen hin, die allesamt kostenlos erhältlich sind:
- The Power Usage Effectiveness Estimator: Man gibt Daten über den geschätzten Stromverbrauch der Komponenten in einem Rechenzentrum ein und bekommt eine PUE™ für die Gesamtanlage errechnet. Die Ergebnisse der PUE™ Schätzung kann man als PDF- oder CSV-Dateien mit URL speichern.
- Das Data Center Maturity Models - DCMM. bietet Ziele und Richtungsvorgaben für den Ausbau von Stromversorgung, Kühlung, Rechnerumgebung, Speicher und Netzwerk. Man kann den "Reifegrad" seines RZ bestimmen, wobei hier auch z.B. die Energieeffizienz einbezogen wird.
- Ein Bericht zeigt, welche rechtlichen Vorgaben die unterschiedlichen Länder für rechenzentren machen oder schon gemacht haben.
- Eine weltweite Kühlungskarte ermöglicht es einzuschätzen, wo man mit Luftkühlung arbeiten kann und wo nicht.
- Ein http://www.thegreengrid.org/en/Global/Content/white-papers/WP50-DataCenterEfficiencyandITEquipmentReliabilityatWiderOperatingTemperatureandHumidityRanges zeigt, wie man die Temperatur im Rechenzentrum erhöhen kann, ohne gleichzeitig Sicherheit und Zuverlässigkeit aufs Spiel zu setzen.
- Und wer gern den Elektroschrott besser in den Griff kriegen will, erhält vielleicht einen Ansporn durch die Electronics Disposal Efficiency (EDE)-Metrik entwickelt, die Fortschritte bei den Entsorgungsprozessen messbar macht. -
Wochenend-Weiterrbildung zum Green-IT-Berater
@ 19. Apr 2013 – 10:51:21
Die Berliner Weiterbildungseinrichtung C&Q Haberhauffe bietet in diesem Frühsommer eine an vier Wochenenden (Freitag spätnachmittags bis Samstag abends) eine 56stündige Weiterbildung zum Green-IT-Berater an. Angesprochen sind alle Menschen, die als AdministratorIn, IT-BeraterIn, CIO oder in anderen Funktionen tiefer in das Thema einarbeiten möchten sowie im Einzelfall (nach Vorbesprechung) auch andere TeilnehmerInnen. Das Ganze kostet rund 2500 Euro und kann durch Bildungsprämien/Bildungsschecks bezuschusst werden. Der Kurs behandelt sowohl den energie- und materialeffizienten einsatz von IT als auch "grüne" Effekte, die sich durch IT-Einsatz erreichen lassen.
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Modulare Rechner: Die einen streiten drüber, die anderen machen es
@ 17. Apr 2013 – 15:15:13
Während in Deutschland und Europa teure Forschungsprojekte aufgesetzt werden, um zu beweisen, dass einfache Rechner wie PCs oder Laptops auch modular aufgebaut werden können, ohne dass diees ökonomisch unbedingt schädlich für die Hersteller sein muss, ist man in China schon weiter. Dort hat nämlich der Startup Focuswill, wie die Computerwoche in ihrer Ausgabe 15/13 und auch online einen Rechner vor, der sich komplett (bis auf den Bildschirm) in einer tastatur versteckt. Der Clou: Hauptplatine, Prozessor, Speicher und anderes Innenleben des Android-PCs, der sogar Mikro und Lautsprecher, USB-Ports, VGA-, HDMI- und Ethernet-Schnittstelle hat, sind mühelos austauschbar und können aufgerüstet werden. Die Grundvariante soll 89 Dollar kosten. mal sehen, wie das Ding einschlägt. Es ist ja kaum vorstellbar, dass menschen in ärmeren Weltregionen bereit sind, alle zwei bis drei jahre mehrere hundert bis tausend Dollar, Euro oder was auch immer für immer dasselbe (mit kleinen Abweichungen) auszugeben.
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Wann macht IT Prozesse nachhaltig?
@ 10. Apr 2013 – 09:27:07
Anlässlich der ITC4S-Konferenz in Zürich im Februar hielt Daniel Spreng, ETH Zürich, einen interessanten Vortrag über den Zusammenhang zwischen Energie, Zeit und Information, dessen Inhalt letztlich einen Erklärungsansatz liefert, warum der IT-Einsatz bisher eher keine Nachhaltigkeitseffekte gebracht hat. Sprengs Idee, die er ausdrücklich nicht als ausgereifte Theorie verstanden wissen möchte, sondern als eine Anregung zum Nachdenken in eine andere Richtung in Kurzform: Nutzt man IT, um Energie zu sparen, wird häufig mehr vom selben gemacht, was dann im Endeffekt wieder zu Gleich- oder Mehrverbrauch (sogenannter Rebound) führt. Nutzt man IT zur Zeitersparnis, wird damit rationalisiert - es fallen Arbeitkräfte weg, aber grüner wird der Produktionsvorgang dadurch nicht unbedingt. Nur der IT-Einsatz, um Prozesse intelligenter zu machen, ohne vorrangig auf Mehrproduktion, oder reine Zeitersparnis zu schielen, könne letztlich die "grünen" Versprechen der IT einlösen. Darüber sprach nachhaltige IT am Telefon mit Daniel Spreng.
nachhaltige it: Herr Spreng, Ihre Idee ist bestechend: Man muss Prozesse nur intelligenter machen, dann werden sie nachhaltiger. Allerdings habe ich in Ihrem Vortragsskript keine Beispiele dafür gefunden, und bisher wurden die Nachhaltigkeitseffekte der IT meist durch Rebound-Effekte wieder aufgefressen. Gibt es Beispiele für das, was Sie meinen?
Spreng: Natürlich. Ich kenne sie besonders gut aus der Textilindustrie, habe sie aber in dem Skript nicht extra aufgeführt. Man kann zum Beispiel Textilmaschinen so fahren, dass ein extrem strapazierfähiger Faden entsteht, den man schon sehr beanspruchen muss, damit er reißt. Oder man kann die Textilfarben hundertprozentig exakt dosieren. Ein Beispiel sind Unterhosen: Derartige Produkte einiger Schweizer Marken sind teilweise sehr teuer, weil aus erstklassigem Material und erstklassig verarbeitet. Dafür hat man dann aber auch lange Freude an ihnen. Energieersparnis hat übrigens viel mit Nachhaltigkeit zu tun, wenn die Ersparnis auf der Ebene der Volkswirtschaft stattfindet. Energieersparnis auf technischer Ebene hat aber oft wenig mit Nachhaltigkeit zu tun. Es wird oft dann, wenn auch effizient, viel mehr produziert.
nachhaltige it: In der aktuellen Grünen-Studie zur Obsoleszenz (nachhaltige IT berichtete ausführlich) wurden allerdings jämmerlich kurze Fäden in Textilien als Beispiel für willkürliche Verschleißproduktion aufgeführt.
Spreng: Ressourcen- und energieintensive Produktion lohnt sich wegen falscher Anreize. So lange es billiger ist, Rohstoffe zu verschwenden als Produkte intelligent und langlebig zu produzieren, wird IT immer zuerst dafür eingesetzt werden, lediglich Zeit oder Energie am einzelnen Produkt zu sparen, statt intelligente Prozesse für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.
nachhaltige it: Wie könnten denn richtige Anreize aussehen?
Spreng: Die Ideen dazu gibt es schon lange: Man müsste einfach statt Arbeit, also Lohnsteuer, den Ressourcenverbrauch besteuern in Form einer Ressourcensteuer, die desto höher ist, je mehr an Rohstoffen und Energie in jedem Produkt steckt. Dann würden sich Reparaturen plötzlich ganz anders lohnen, der gesamte Markt würde sich verwandeln. Und die Mehrheit der Leute hätte,weil die Lohnsteuer ja wegfällt, mehr Geld in der Tasche, um die teureren Produkte auch zu kaufen.
nachhaltige it: Das hat dann aber mit IT nichts mehr zu tun, sondern ist letztlich Wirtschafts- und Steuerpolitik. Ist so eine Politik denn durchsetzbar?
Spreng: Da muss das Klima wohl noch etwas mehr verrückt spielen, aber deswegen ist die Aussage ja nicht falsch. In der Schweiz, wo wir über viele politische Fragen als Bürger abstimmen, gab es vor einigen Jahren einmal den Vorschlag, die Lohnsteuer durch eine Ressourcensteuer zu ersetzen. Diese Abstimmung fand zwar statt, weil dafür genügend Leute den Vorschlag unterstützten, doch bei der eigentlichen Volksabstimmung haben vergleichsweise wenige Menschen zugestimmt, ich erinnere mich an eine Rate um die dreißig Prozent.
nachhaltige it: Es gibt ja auch die These, die etwa Tim Jackson und Niko Paech vertreten, dass man ein ganz neues, weniger an Massenproduktion von Industriegütern orientiertes Wirtschaftssystem braucht, um die Nachhaltigkeitsfrage zu lösen - ganz unabhängig vom IT-Einsatz. Denn wenn weniger Güter produziert würden, weil sie länger halten und reparabel sind, werde es auch weniger Erwerbsarbeit geben, weshalb insgesamt weniger Geld da wäre und aus diesem Grund wieder mehr selbst gemacht oder im Wege der Nachbarschaftshilfe erledigt werden müsste, zum Beispiel Teile der sogenannten häuslichen Dienstleistungen.
Spreng: Daran glaube ich nicht. Ich glaube, wenn man die Wirtschaft stärker auf Ressourcenschonung ausrichten würde, würde trotzdem genügend Wertschöpfung, beispielsweise im Bereich der Reparaturdienste, entstehen, um genügend Beschäftigung zu schaffen. Die Werte, mit denen die oben genannten Leute ihre Ideen unterfüttern, sind allesamt im heutigen Paradigma der ressourcenintensiven Massenproduktion gewonnen und wären unter einem neuen Paradigma so gar nicht mehr anwendbar, deshalb halte ich die Schlussfolgerungen dieser Skeptiker nicht für zwingend.
nachhaltige it: Hängt die mangelnde Nachhaltigkeit nicht auch damit zusammen, dass Geld, zum Beispiel in Form von Managementgehältern oder Shareholder Value, so ziemlich der einzige Maßstab war, an dem sich wirtschaftliches Handeln in den letzten drei Jahrzehnten ausgerichtet hat?
Spreng: Das ist schon richtig. Geld und Macht. Man braucht auch mehr Orientierung am Gemeinsinn, um die Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen. Das ändert aber nichts an meiner Vorstellung, dass sich dies auch im Rahmen einer Marktwirtschaft realisieren lässt, wenn man die richtigen Anreize setzt. Neue Anreize müssen aber schon sein.
nachhaltige it: Herr Spreng, ich danke Ihnen für das Gespräch.
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Geplante Obsoleszenz - Was genau steht eigentlich in der Studie? 100 spannende Seiten, die es in sich haben.
@ 05. Apr 2013 – 11:21:57
Nachdem der Erscheinungstermin der großen Grünen-Studie zur Obsoleszenz genau in meine Ferien fiel, hatte ich ja nun viel Zeit, die Berichterstattung dazu zu lesen. Mir ist aufgefallen, dass zwar die wichtigsten inhaltlichen Höhepunkte dargestellt wurden, dass aber - journalistisch durchaus korrekt - niemand so ganz tief in die Inhalte eingestiegen ist, und dass vor allem die politischen Anregungen nur selten referiert wurden. Das will ich nun hier nachholen.
Die drei Autoren gliedern ihre Studie in fünf Module: In Modul A finden sich Informationen zur Entstehung geplanter Obsoleszenz mit der zu diesem Thema verfügbaren Standardliteratur. Es wird klar, dass diese Methode nicht etwa naturwüchsig entstanden ist, sondern gezielt zur Gewinnerhöhung "erfunden" wurde, nämlich vom automobilen Pleitegeier General Motors, der sich damit in der Zwischenkriegszeit gegen Ford durchsetzte. Zu den Fällen einer absichtlich eingebauten Sollbruchstelle, eines eingebauten Verfallsdatums oder Ähnlichem kommen die Fälle, in denen hektisches, rein kostengetriebenes Design mit dem Ziel ständig neue, und sei es auch äußerst unvollkommene Produkte auf den markt bringen, ordentliches, auf Langlebigkeit orientiertes Design verdrängt. Leidtragende des Ganzen sind in der Regel die Konsumenten, obwohl inzwsichen auch die Industrie, die mehr und mehr auf Standardbauelemente setzt, Probleme mit schlampig oder kurzlebig gebauten Chips bekommt.
Modul B, sozusagen der praktische Teil, bringt in Bild und Beschreibung Beispiele aus der Realität in unseren Produkten. Die gibt es überreichlich, angefangen bei zu schlappen Bauelementen, schlampig angesetzten Übertragungsdrähten, fest eingebauten Akkus, billigem Plastik, wo Metall dringend angebracht wäre (Waschmaschinen!), Verklebung von Einzelteilen, so dass sie sich nicht ausbauen lassen etc. Ein Blick in das Horrorkabinett schlechten Industriedesigns lohnt sich wirklich, schon um sich zu fragen, wie, außer aus reiner Profitgier, man auf solchen Unsinn kommen kann, zumal in einer Zeit, da die Ressourcen der Erde spürbar weniger werden. Oder würde jemand von Ihnen auf den Gedanken kommen, einen Pullover aus absichtlich verkürzten Fäden zusammenzurstricken, damit er nachher um so schneller wieder reißt? Dazu kommen noch weitere Methoden: falsche Reparaturangaben, Feuchtigkeitsssensoren in Handys, um Reparaturpflichten auszuhebeln, teure Standard-Kostenvoranschläge, ohne dass das System überhaupt angesehen wurde etc. sowie organisatorische Hemmnisse gegen Reparatur und Weiternutzung, indem zum Beispiel Spezialwerkzeug gebraucht wird oder nur Spezialpersonen Reparaturen durchführen dürfen.
In Modul C wird nach den Wirkungen der Obsoleszenz gefragt. Dabei zeigt sich, dass zumindest die Idee, Obsoleszenz nütze weiten Kreisen, an den Haaren herbeigezogen ist. Denn Arbeitsplätze, meist ein wichtiges Argument der stillschweigenden Schnellverbrauchs-Befürworter, entstehen deswegen zumindest hier überhaupt nicht, da die kapptgehenden Komponenten heute in der Regel in Fernost gebaut werden, aber viele Arbeitsplätze in Reparaturbereichen wegfallen. Ein persönliches Beispiel: Neulich versuchte ich, unseren Staubsauger reparieren zu lassen. Der einzige Betrieb, der das bisher immer machte (in der Millionenstadt München!), hatte gerade seinen letzten Techniker entlassen. "Staubsauger bringt keiner mehr, die werden immer gleich neu gekauft", sagte die Mitarbeiterin ziemlich traurig. Was der Techniker jetzt macht, sagte sie nicht.
Die Studie kommt jedenfalls je nach der Menge der Konsumgüter, die Obsoleszenzprozessen unterliegen, zu dem Schluss, dass durch diese Prozesse allein in Deutschland zwischen 65 und 137 Milliarden Euro konsumptives Kapital durch nur wegen Obsoleszenz nötige Anschaffungen in die Taschen der Hersteller, die die Schrottgüter produzieren, fließt. Jedes Jahr fallen wegen Obsoleszenz zwischen 6,2 und 13,1 Millionen Tonnen Müll an. Drei bis sechs Müllverbrennungsanlagen werden nur wegen Obsoleszenz betrieben. Gäbe es keine Obsoleszenz, brauchte man außerdem zwischen 11 und 22 1-GWatt-Kraftwerke weniger.Schließlich kommt das Handlungsprogramm, das Tips für Einzelpersonen, Zivilgessellschaft, Arbeitnehmer, Wirtschaft und Unternehmen, NGOs und Politik umfasst. Grundsätzlich regt die Studie an, sich an neue Trends weg von der Wegwerfgesellschaft (Entschleunigung, Wiederverwertung, Eigenreparatur, Wiederverkauf, kollektive Nutzung etc) zu orientieren, die ohnehin vorhanden sind. Außerdem sei es nötig, die Debatte vollkommen neu zu justieren. Wegwerfen und neu kaufen muss seinen hippes Image wieder verlieren - schließlich ist diese Einstellung erst knapp fünf Dekaden alt. Die einzelnen Tips und Anregungen hier aufzuführen, wäre zu viel, ein Blick in die lange Liste lohnt aber auf jeden Fall.
Modul E, wo es um politische Ansätze auf europäischer Ebene geht, ist das eigentlich spannendste, aber gleichzeitig wurde darüber am wenigsten geschrieben. Hier geht es darum, was heute unter Ausschöpfung der Möglichkeiten der Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EC), der Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie (2010/30/EU) und der Elektro- und Elektronik-Aktgeräte-Richtlinie (2002/96/EU) eigentlich schon möglich wäre, aber nicht getan wird. Die besten Ansätze bietet nach Meinung der Studie die Ökodesign-Richtlinie. Auch sie hat Lücken, beispielsweise beim produktorientierten Ressourcenschutz. Allerdings sieht die Studie den Hauptgrund dafür, dass die Studie bisher wenig Durchschlagskraft im Bereich Obsoleszenz entfaltet hat, daran, dass mögliche daran anknüpfende Regelungen einfach nicht gemacht wurden. Sehr interesssant ist auf auf Seite 92 ein Vorschlag für ein neues, allgemeines Produktlabel, das neben dem Energieverbrauch auch ökologischen Rucksack, vorgesehene Lebensdauer, Recyclingfreundlichkeit und Ökotoxizität angibt und so vergleichbar macht. Ich bin sehr gespannt, ob ich ein solches Label noch während meiner Lebensdauer an Produkten sehen werde. Was fest eingebaute Akkus angeht, setzt die Studie auf eine strengere Auslegung des ja bereits existierenden Elektrogerätegesetzes (ElektroG). Der Gesetzeswortlaut gäbe diese nämlich durchaus her.
Insgesamt lohnt es sich, diese Studie im Original zu lesen, denn wasn ich hier geschreiben habe, ist selbstverständlich nur eine sehr kurze Zusammenfassung. Das Papier ist der erste Versuch, auf politischer Ebene endlich etwas gegen die Obsoleszenz-Seuche zu tun, die nur wenigen Herstellern nutzt, aber vielen Menschen weltweit, unter anderem all denen, die früher ihr Geld mit Reparaturen verdienten, schadet - und den zukünftigen Generationen sowieso.
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Wann darf man IT wegwerfen (The Green Grid)?
@ 12. Mär 2013 – 11:44:17
EDE steht nichte etwa für die kurze Form eines deutschen Vornamens sondern für die Electronic Disposal Eifficiency und ist eine metrik von The Green Grid, die dazu beitragen soll, dass Firmen ihre IT nicht mehr gedankenlos wegwerfen, sondern nur vertrauenswürdigen, zertifizierten Recyclern/Reuse-Unternehmen anvertrauen. EDE entsteht dadurch, dass das Gewicht des in dieser Weise entsorgten Elektroschrotts durch die Gesamtmenge des entsprgten Elektroschrotts geteilt wird. Das Ergebnis ist EDE und sollte natürlich möglichst nah an 100 Prozent liegen. Unter Elektroschrott versteht das Papier alle ITK-Geräte, die nicht mehr für ihren bisherigen Zweck oder überhaupt nicht mehr verwendet werden. In Frage kommen bei der verantwortlichen Entsorgung folgende Formen: Verbrennung, Deponierung, Recycling, und kompletter oder teilweiser Reuse, allerdings nur außerhalb des Unternehmens, das das Gerät bisher genutzt hat. Wer will, kann auch separate materialströme für Reuse, teilweisen Reuse, Komponenten-Reuse und Recycling berechnen. Wer Details wissen will, findet sie hier.
Kommentar:Um das wichtigste Thema drückt sich die Organisation herum: die nötige Lebenszeitverlängerung. Denn IT spielt in ihrer kurzen Nutzungsdauer auch bei hoher Effizienz den Produktionsaufwand längst nicht ein. Wers nicht glaubt, kann hier nachlesen.
Summary:The Green Grid launched a new metric to evaluate how sustainable companies deal with old elekctronic equipment that is not used any more or is broken. EDE (Electronic Disposal Efficiency) is calculated as the relation between the weight of the responsible disposed electronic waste and the total weight of all elekctronic waste. But The Green Grid does not say anything about usage periods, which means not talking about the most critical factor in IT material waste.
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Cloud als Hilfsmittel im neuen Smart-Grid-Energiesystem?
@ 12. Mär 2013 – 10:08:02
Eine Studie von Baring Point, basierend auf einer Umfrage, befasst sich damit, was Cloud Computing beim Aufbau von Smart Grids respektive eines Energiesystem mit Erneuerbaren als Träger helfen könnten. Die Antwort: Das hängt ganz davon ab. Unbestritten ist demnach, das Energieunternehmen in Zukunft viel mehr Daten verarbeiten müssen.
68 Prozent der Befragten finden den Einsatz von Cloud nützlich, und zwar, weil sich damit IT-Leistungen skalieren, IT-Kosten reduzieren und die Verfügbarkeit erhöhen. Gerade Befragte in kleineren Unternehmen (unter 1000 Mitarbeiter) erhoffen sich das besonders stark, während die Größeren wohl eher auf eigene Ressourcen zählen können. Rund die Hälfte der Teilnehmer glaubt, dass sich erneuerbare mit Cloud über Systeme für Direktvermarktung leichter in den Strommarkt integrieren lassen. Dafür verlangen jedoch 91 Prozent Rechtssicherheit beim Einsatz der Komponenten (Smart Meter!), 55 Prozent eine angepasste Regulierung und 27 Prozent gar ein vollkommen neues EEG-Marktmodell (ergibt zusammen immerhin über 80 Prozent, die hier etwas ändern wollen). Dagegen spricht, so meinen 91 Prozent der Befragten, dass Anlagenbetreiber das nicht argumentieren, 73 Prozent sehen zu hohen Aufwand.
Wer alelrdings glaubt, dass Clouds schon bald (innerhalb der nächsten drei Jahre) ein zentrales Element bei Monitoring und Steuerung von Smart Grids werden, der sieht sich eines Besseren belehrt. Denn bis auf 18 Prozent sind die Befragten nicht dieser Meinung - 59 prozent aus Gründen fehlenden Datenschutzes und fehlender Datensicherheit, 45 Prozent, weil die passenden Technologien fehlen. Datenschutz ist überhaupt der wunde Punkt der Technologie, 73 Prozent sehen in den gespeicherten Kunden- und Unternehmensdaten ein hohes Sicherheitsrisiko, besonders in Kunden-Stammdaten oder -Verbrauchsprofilen (82 Prozent) und in systemrelevanten Daten, die für die Netzsteuerung gebraucht werden (77 Prozent).
Die meisten halten aber wohl Anonymisierung für ausreichend, denn 59 Prozent halten geschlossene Systeme für unnötig. Ob das Kunden genauso sehen, darf getrost bezweifelt werden, aber die wurden ja hier nicht befragt.
Automatisierte Zähler werden mehrheitlich als Chance begriffen, weil sie die Ablese-, Inkasso- und Abrechnungsprozesse vereinfachen, Felhler verringern und den Kundenwechsel vereinfachen. Die Datenmassen wollen die Unternehmen, wie kaum anders zu erwarten, nach Herzenslust nutzen, und zwar gern auch für Big-Data-Analysen, die mehr Informationen über das detaillierte Kundenverhalten und gezielte Kundenbindung (59 Prozent) sowie verbessertes Cross-Selling (55 %) ermöglichen sollen. Ob man sich auch erhofft, durch den Weiterverkauf des anonymisierten Datenmaterials an Dritte weitere Gewinne zu realisieren, haben die Studiendesigner nicht gefragt. Schade, eigentlich. Das hätte ich doch gern gewusst.
Schließlich wurden die Studienteilnehmer noch gefragt, welche neuen Geschäftsfelder sie durch Cloud zu erobern gedenken. Sie nannten vor allem mehr Kundenservices, etwa Energieverbrauchsanalysen (86 %), die Aufbereitung von Verbrauchsdaten zum Beispiel für Prognosen und die Kombination intelligenter Endgeräte mit Serviceangeboten (je 77 Prozent) und die Spartenintegration innerhalb des Unternehmens (73 Prozent).Kommentar: Eine offene Frage hätte wahrscheinlich mehr Einsichten darüber gebracht, was Energieprovider mit den Daten anfangen wollen. Es ist nämlich anzunehmen, dass sie durchaus offen dafür sind, sie diesem oder jenem in anonymisierter Form zu verkaufen - wodurch sie dann, angereichert durch allerlei Social-media-Daten und Daten aus anderen Quellen, etwa geografischen Informationssystemen, dann doch wieder sehr individuelle Schlüsse erlauben würden. Noch steht die Rechtsfortbildung für diese neuartigen Verwertungsmöglichkeiten aus, und es ist zu hoffen, dass hier die Europäische Datenschutzrichtlinie Pflöcke einschlägt, die die Waage nicht zu einseitig zu Lasten der Einzelnen ausschlagen lässt.
SummaryA study by market research company Baring Point dealt with the role of Cloud Computing in Germanys new energy system. It turned out that 68 % ofthe managers of energy providers taking part in the study saw the main advantage of Cloud technology in their branch in scaling IT easier, reducing IT costs and raise availability. They do not see Cloud Technologies playing a big role in monitoring and managing the Smart Grid in the next three years, either for reasons of missing data protection and security or for missing technologies. The protection of customer data is seen as the major security risk. But on the other side, collecting more data and analyzing it with innovative methods is seen as a pooerful enabler for new services for the customer, for preventing churn and for cross selling. The most mentioned new service were analyses about the individual energy usage (86 %), the combination of intelligent end systems with new services and prognosing the further energy usage (each 77 %).
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Big Data: Überwiegen Chancen oder Risiken?
@ 10. Mär 2013 – 19:12:55
In den vergangenen Wochen hate ich gleich doppelt, nämlich anhand zweier neuer Bücher, Gelegenheit, mich mit dem Thema "Big Data" zu befassen. Zum einen, als mir ein gigantischer Umschlag mit einem genauso gigantischen Buch ins Haus flatterte: Bit Data heißt es und beschreibt in spektakulären Fotos von teuren, international angesehenen AutorInnen (meist aus den USA) was Big Data ist, kann und wo die Risiken liegen. Der Inhalt ist übersichtlich gegliedert: Ein zwei-bis vierseitiger Text aus der Hand einer/s erfahrenen Journalist/in am Anfang auf silbernem(!) Hintergrund beschreibt jeweils den Aspekt, um den es in dem Kapitel geht, dann folgen Fotografien und begleitende Texte - die Fotos in spektakulärer Qualität, die Texte zumindest interessant. Gesponsort wurde das Werk allen voran von EMC, aber auch Cisco, VMware, FecEx, Tableau und Originate, die beiden letztgenannten Firmen echte Big-Data-Spezialisten. Fundamentalkritik am Thema ist bei dieser Urheberschaft nicht zu erwarten, aber immerhin bekommt man interessante Infos. Immerhin wird in einigen Texten darauf hingewiesen, dass das massenweise Sammeln und Auswerten von Daten durchaus auch negative Effekte haben könne, beispielsweise größere Chancen im Bereich Cybercirme. Immer jedoch wird Big Data als unausweichlich hingestellt, was ich angesichts der Tatsache, dass es sich dabei nicht um einen Asteroiden, sondern eine menschliche E Erfindung handelt, etwas ärgerlich finde. Spaß machen auf jeden Fall die vielen opulenten Bilder und auch die Beschreibungen von Menschen, die mit Big Data verbunden sind. Übrigens ist das ganze Werk in Englisch, und mir ist unbekannt, ob "The Human Face of Big Data" überhaupt im handel erhältlich ist. Falls dem so sein sollte, hier die Biographie; "The Human Face of Big data
Jennifer Erwitt, Rick Smolan: "The Human Face of Big data." Bildband, gebunden, 215 Seiten, in Englisch. ISBN 078-1-4549-0827-2, USA: 50 Dollar.
Ganz anders geht der österreichische Journalist Rudi Klausnitzer an das Thema heran. Sein Band ist etwa genau so lang, kommt aber ohne ein einziges Foto aus und beschreibt auf Deutsch alle wichtigen Aspekte, Anwendungsfelder und auch viele Projekte von Big Data. Anhand einprägsamer Beispiele macht Klausnitzer klar, was Big Data schon kann oder demnächst können soll und wie das unser aller Leben beeinflussen wird oder es heute schon beeinflusst. Wer einmal eines seiner Beispiele live erleben möchte, möge sich dieses Youtube-Video ansehen. Bei aller Begeisterung für die Technologie ist dieses Buch doch erheblich distanzierter und kritischer als das zuerst beschriebene und fordert vor allem ausreichenden Datenschutz für die von Big Data Betroffenen. Das sind dieselben Menschen, die heute ohne großes Nachdenken via Tablet, Smartphone, Kreditkarte und GPS eine immer breiter werdende Datenschleppe hinter sich herziehen, an der andere Leute später Geld verdienen, in der Regel, ohne den Urhebern der Datenflut etwas abzugeben und schlimmstenfalls sogar, ohne sie überhaupt zu fragen, ob sie diese Daten benutzen dürfen. Übrigens: Anonymisierte Daten dürfen nach heutiger Rechtslage auf jeden Fall verkauft werden. Wohl zutreffend kommt Klausnitzer am Ende seines Buches, das schon wegen der vielen Quellenhinweise lesenswert, aber auch einfach fesselnd ist, zu dem wenig überraschenden Schluss, dass, falls es Politikern, Bürgern und Interessenvertretern nicht gelänge, einen einigermaßen akzeptierten "New deal" zum Thema Big Data mit ausreichendem Datenschutz für den Einzelnen zu realisieren (Eigentumsrecht an eigenen Daten, volle Kontrolle über den Gebrauch eigener Daten, das Recht, Daten endgültig zu löschen), habe das Thema trotz großer vorhandener Chancen für die Gesellschaft das Potential zur größten Bürgerrechtsauseinandersetzung des nächsten Jahrzehnts.
Und hier noch die biographischen Daten: Rudi Klausnitzer, Das Ende des Zufalls. Wie Big data uns und unser Leben vorhersagbar macht. Ecowin-Verlag, März 2013, ISBN 9-783711-000408, 21,90 Euro.
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Gamification: Spielerisch grün werden: Beispiele
@ 08. Mär 2013 – 14:30:49
Die IT-Branche setzt mehr und mehr auch auf spielerische Elemente, um bei Anwendern grünes Verhalten außerhalb der IT zu fördern. Wettbewerbe, Puznkte sammeln und derlei scheint die Motivation derart zu erhöhen, dass man damit tatsächlich Innovation fördern kann. Zwei beispiele wurden kürzlich auf der Züricher Konferenz ICT4S (ICT for Sustainability) vorgestellt: Einmal ein jährlicher Wettbewerb, der innovative Ideen dazu sammelt, wir man die Umwelt schützen kann. Im Climate CoLab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) können Menschen aus aller Welt kollaborativ Ideen entwickeln, um das Klima und die umwelt zu schützen. Die Ideen stehen jährlich unter einem anderen Fokus und werden prämiert. Die seite ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Das zweite Beispiel ist ein Forschungsteam aus Hawaii, das vorschlug, energieeffizientes Stromverbrauchsverhalten auf spielerische Weise zu fördern, indem das häusliche Stromverbrauchssystem und Smart Metering (Watt Depot) kombiniert wird mit einem Online-Game (Makahiki), bei dem man selbst gegen andere, die ebenfalls Strom sparen wollen, antritt. Wer wirksam spart, kriegt Punkte. man kann mit dem Spiel verschiedene Verhaltensmöglichkeiten eine Zeit lang ausprobieren und sie dann auch wieder lassen. Basis des Ganzen ist ein offener Softwarestack, der alle nötigen Funktionen ermöglicht. Das Spiel soll irgendwann in der Cloud laufen, bisher ging es nur um die Verifizierung des Software-Unterbaus.
